Liebe Stefanie, wie schön, dass wir heute miteinander sprechen. Wir sind ja nun schon lange Kolleginnen in der raumagentur und ich bin immer wieder begeistert, wie kreativ und innovativ du die Räume für unsere Kunden gestaltest. Darüber würde ich gerne heute mit dir sprechen.

Und ich sage Danke für die Möglichkeit zur Reflektion der eigenen Arbeit. Das kommt im Alltag oft zu kurz. Es ist schön, mal inne zu halten und über verschiedene Aspekte des Arbeitsprozesses nachzudenken. Die Abläufe macht man sich manchmal viel zu wenig bewusst.

 

Ja, das stimmt. Dann lass uns gerne einmal in die Abläufe reinschauen. Kannst Du einmal bitte kurz beschreiben, wie ein neues Projekt auf dich zukommt?

Am Anfang eines Projektes steht immer die Anforderung des Kunden bzw. die Wünsche, die er an einen Raum oder an einen bestimmten Bereich stellt. Hier geht es um ein erstes Kennenlernen, um Zuhören und um das Filtern des Gesagten. Es ist eine Grundlagenermittlung, was sind die Ziele, die Funktionen, die Wünsche, aber auch um Schwingungen und Emotionen zwischen den Zeilen. Was nehme ich war, welchen Eindruck habe ich.

 

Das klingt schön und danach, dass man eine Menge Feingefühl mitbringen sollte. Vielleicht kannst du mit uns teilen, wie du deine Aufgabe dann angehst.

Für mich persönlich ist es sehr wichtig, für jedes Projekt eine individuelle Lösung, eine eigene Idee zu entwickeln. Das passiert bei mir nicht am Schreibtisch, sondern in den ‚Zwischenzeiten‘, wenn man entspannt oder sich mit etwas ganz Anderem beschäftigt. Im Halbschlaf, bei der Bewegung in der Natur, beim Einkaufen und ähnlichen Situationen. Das Unterbewusstsein verarbeitet den Input aus den Gesprächen, den Planungsunterlagen und Anforderungen. Schüttelt das Ganze einmal durch, vermischt es und irgendwann kommt eine erste Idee, eine Ahnung, ein Gefühl an die Oberfläche, so dass ein Lösungsansatz für den jeweiligen Entwurf entsteht. Ein Professor im Studium hat einmal gesagt ‚Es ist alles in euch drin‘. Und ich glaube, so ist es auch. Man nimmt täglich so viel aus dem Umfeld auf, gezielt oder unbewusst, so dass der kreative Speicher stetig gefüllt wird. Zur passenden Zeit wird auf Nachfrage die entsprechende, individuelle Idee präsentiert. Oft halte ich diese erste Idee in einer zeichnerischen, einfachen Skizze fest. Dabei gehen die Gedanken einmal ‚durch die Hände‘ , was wiederum einen kreativen Prozess anregt. Weitere Gedanken und Alternativen können auf einem schnellen Weg entwickelt und festgehalten werden. Danach nimmt dann der erste Entwurf und die weitere Planung ihren Lauf. Die erste kreative Idee ist für mich essenziell. Sie darf auch ruhig etwas übertrieben und verrückt sein. Frei nach einem Zitat von Albert Einstein: ‚Wenn eine Idee nicht zuerst absurd erscheint, taugt sie nichts.‘

Das klingt nach einer wunderbar kreativen Aufgabe und nach einem sehr schönen und abwechslungsreiche Prozess. Aber es gibt ja sicher auch Herausforderungen. Was sind denn die größten Herausforderungen in Projekten für dich? 

Die größte Herausforderung während eines Projektablaufs besteht für mich darin, so viel wie möglich von dieser ersten kreativen und übergeordneten Idee in die Umsetzung bzw. in die Realisierung hinüber zu transportieren. Das Schönste für mich persönlich ist es, wenn man nach einem langen Umsetzungsprozess in einem Raum steht, ihn durchschreitet, erlebt, fühlt und man sagen kann: Ja, so habe ich mir das vorgestellt, der Raum berührt mich. Das kann sehr ergreifend sein. Für dieses finale Gefühl bringt man viel Einsatz, das Ergebnis ist ein langer Weg und kostet manchmal viel Kraft. Man setzt sich mit Themen wie Budget, Machbarkeit und Zeit auseinander. Aber, das Dranbleiben lohnt sich.

 

Das klingt nach vielen tollen Projekten und glücklichen Kunden. Aber manche Herausforderungen sind sicherlich auch für Dich besonders spannend. Hast du ein Lieblingsprojekt? Und dann würde mich noch interessieren, was dieses Projekt so spannend macht.

Bei der raumagentur werden auch Showfloors/ Showrooms für den Bereich Immobilien Marketing geplant und umgesetzt. Das sind 3D Marketingtools für die Vermarktung von Immobilien, bei denen Flächen zeigen, wie ein Gebäude oder ein Teilbereich mit Interior Design aussehen kann. Es wird also gezeigt, was für die Räumlichkeiten optimal möglich ist. Um die positive Aussage eines Bereiches zu unterstreichen, kann freier, übertriebener und kreativer, auch in Kombination mit Grafik, gearbeitet werden. Gerne auch mit einem künstlerischen Aspekt. Das kommt mir sehr entgegen. Ich betrachte die Dinge gerne abstrakter, mal aus einem anderen Winkel und gestalte die einzelnen Komponenten expressiver. Mein Lieblingsprojekt ist daher ein Pop Up Showfloor in Paris. Natürlich liegt das auch am Ort des Gebäudes, mitten in Paris. Von der Dachterrasse und dem obersten Stockwerk, in dem der Pop Up Showfloor plaziert war, hat man einen tollen Blick über die Stadt. Auf der einen Seite sieht man die Sacré-Coeur, auf der anderen Seite den Eiffelturm. Dieses Projekt war sehr frei und glich eher einer Ausstellung. Die Ausstellung eröffnet den Interessenten während der Umbauphase des kompletten Gebäudes einen Ausblick in die Zukunft. Viele grafische und textliche Informationen, die Auskunft über das Gebäude geben und neugierig machen. Eine räumliche Inszenierung, deren Herzstück das ‚Office Karussell‘ bildet. Ein eigens für diesen Showfloor entwickelter Begriff. Eine fast 4m große, drehbare Scheibe mit einem Arbeitsplatz drauf, auf dem der Besucher Platz nehmen kann. Durch das Drehen der Scheibe, also der Bewegung im Raum, entstehen zwischen innen und aussen immer wieder neue Blickbeziehungen, man dreht sich über den Dächern von Paris. Beeindruckend und einmalig.

 

Wow, wenn Du das so erzählst, würde ich dort gerne auch einmal sitzen. In der Tat habe ich schon viele Fotos gesehen, konnte aber noch nicht dort sein. Aber schon die Bilder sind toll und ich erinnere mich daran, wir wir die riesigen Spiegel für das Karussell hier in der raumagentur hatten, bevor sie nach Paris transportiert wurden. Vielleicht noch einmal zu Deiner Ausbildung, zu dem, was all Deinem Schaffen auch zugrunde liegt Innenarchitektur. Was bedeutet Innenarchitektur für Dich? Man stellt man sich auf einem Plan verschiedene Bereiche eines Offices vor. Aber ist es nicht viel mehr?

Für mich ist die Innenarchitektur ein Begriff, der sich aus vielen einzelnen Disziplin zusammensetzt. Natürlich die Funktion eines Raumes. Wie können hier Flächenaufteilungen, Lichtführung, Einbauten und Mobiliar unterstützen. Das ist das unabdingbare Grundgerüst. Darüber wird dann das ‚Raumkleid‘ gelegt, also die Oberflächen, Materialien und Farben. Und dann für mich unabdingbar, die gesamte Raumimpression. Also die Stimmung, die ein Raum beim Betreten ausstrahlt. Was nimmt der Nutzer war, wie setzen sich alle einzelnen Elemente zusammen, was empfinde ich, berührt mich der Raum? Cool, ein „Raumkleid“ ist ein sehr schönes Bild! Dann kommen wir noch einmal mehr zu dem, wie Du das Raumkleid „schneiderst“. Magst du uns ein bisschen zu deinem Herzensthema erzählen? Mein Herzensthema sind die Farben, Materialien und grafische Elemente in einem Raum.

Mit diesen Komponenten lassen sich ganz unterschiedliche und individuelle Raumimpressionen erzeugen. Das finde ich sehr spannend, immer wieder auf’s Neue. Farben zum Beispiel gliedern sich in unglaublich viele Abstufungen, Facetten und Nuancen auf. Man kann sie immer wieder neu kombinieren, es entstehen immer wieder neue Aussagen im Zusammenspiel für den jeweiligen Raum. Die Auswahl und Kombination fasziniert mich, besonders wenn man sich etwas traut und auch mit Akzenten mutig sein darf.

Mutig bist Du sicherlich aber auch mit viel Fingerspitzengefühl. Ich denke, dass muss man auch haben, wenn man soviel verschiedene Wünsche und Komponenten im Rahmen der Projekte berücksichtigen muss. Ich denke, dass die persönliche und Fachliche Weiterentwicklung hier eine schöne und tragende Rolle spielen. Welche sind denn dabei neue Herausforderungen, auf die du bist besonders freust?

Ich freue mich darauf, wenn wir die aktuelle Lage wieder so weit im Griff haben, dass Ausstellungen, Messen und Events wieder unbedenklich und möglich sind. Ich würde so gerne wieder mal kreativen Input durch ‚Anfassen‘, also haptische Erlebnisse, bekommen. Neue visuelle Trends, die man auch haptisch erfahren kann. Wieder Mal neue Materialien entdecken, Muster und Farben sammeln, nebeneinander legen und daraus Ideen generieren. Wo man in echt teilnehmen und sich mit anderen austauschen kann, räumliche Erfahrungen wieder in sich aufnehmen und Inspirationen ohne Bedenken erleben kann.

 

Das kann ich gut nachvollziehen. So geht es mir auch. Wir hoffen nun einfach, dass wir bald wieder mehr Möglichkeiten finden, unsere Inspirationen auch extern zu bekommen – sei es bei Messen, Events, von Kunden. Aber wir Zwei sehen das ja positiv. Also darauf aufbauend: Welche Strömung in der Entwicklung der Innenarchitektur gefällt dir besonders gut und warum ist es so?

An der Innenarchitektur oder allgemein am Design in unterschiedlichen Bereichen empfinde ich es als sehr spannend, dass viele Strömungen nebeneinander bestehen. Es gibt nicht immer nur die eine. Sondern mehrere, die sich parallel zueinander entwickeln, miteinander verbunden sind, sich gegenseitig hervorheben oder abschwächen. Alles befindet sich immer in Bewegung, formiert sich in innovativen Kombinationen neu und geht weiter. Vergangenes kommt wieder und bildet die Zukunft. Irgendwie beruhigend, es geht immer weiter auch wenn das ‚wie‘ sich ändert.

 

Stefanie, das hat super viel Spaß gemacht und ich finde Deine Antworten nicht nur passend und authentisch, sondern auch sehr inspirierend. Danke Dir für das tolle Interview!

Stefanie Kunz

Stefanie Kunz

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