Experten in den USA beschreiben die Situation aktuell so, dass viele Firmen aufgrund der Krise überreagieren. Das sie Strategien aus einem Druck heraus planen, alles richtig machen zu müssen. Ist das bei uns in Europa und in Deutschland auch so? Ich glaube schon. Ich könnte mir vorstellen, dass das Pendel, was gerade irgendwo zwischen der Situation vor der Krise und der Einstellung jetzt, wie wild um sich schlägt, wirklich irgendwo dazwischen zum Stehen kommt. Ich kann nicht glauben, dass sich Firmen darauf einlassen, ihre Offices total herunter zu fahren und ich bin fast sicher, dass sich die Zahl der Homeoffice-Tage ganz schnell wieder nach unten einpendeln wird.

Cosy Hubs statt Pendeln

Mich beschäftigt der Gedanke, dass Firmen darüber nachdenken, weitere Hubs, außerhalb ihrer Headquarter anzumieten. Kleinere Gebäude oder Flächen, die regional als Standort für das Unternehmen und als Homebase für die Mitarbeiter fungieren. Dies, um ewige Pendeleien zu stoppen und trotzdem die doch so überlebenswichtige Kommunikation im Unternehmen anzubieten – sicher zu stellen.

Dazu kommt ein Trend, der gerade erst zu starten scheint: Immer mehr Menschen, aber auch Firmen, wollen aus den Städten in die Randlagen der Ballungsgebiete umziehen, wo größere Flächen immer noch zu haben und vor allem günstiger sind. Um alle Mitarbeiter unterzubringen, sind aktuell meist größere Flächen – geschuldet der Forderung nach großen Abständen – notwendig.

Klar, dass es auch hier nicht ohne Herausforderungen abgehen wird. Schließlich muss man sich die Infrastrukturen anschauen und diese gegebenenfalls ergänzen. Das Auto – jetzt ein Revival erlebend – wird sicher keine Dauerlösung mehr sein.

Der Mensch im Mittelpunkt

Auch in diesem aktuellen Szenario wird die gesellschaftliche Strömung der Individualisierung zuschlagen: Firmen müssen entscheiden, wie ihre Politik und ihre Ziele in der Zukunft aussehen sollen. Wie weit sie in all den verschiedenen Bereichen rund um die Räume nach innen und außen gehen wollen. Können sie es jedem recht machen und gleichzeitig effizient sein?

Dies ist nicht einfach, da es weiterhin viele Ambivalenzen gibt. Klar, sprechen wir von den physischen Räumen. Aber auch die inneren Räume, sprich das Mindset, ist betroffen. Wie gehen die Mitarbeiter mit den veränderten Szenarien um. Auch Leadership kann an dieser Stelle unter die Lupe genommen werden, denn es befindet sich genau in der Mitte dieser beschriebenen Pendelbewegung. Zu jeder Seite müssen Führungskräfte heute offen sein und trotzdem Entscheidungen treffen. Gar nicht so leicht, wie ich finde.

Super populär ist der Claim: Menschen in den Mittelpunkt, people first. Schließlich ist der große Megatrend Employee Experience, wo es darum geht, an allen Berührungspunkten im Unternehmen eine positive Konnotation für den Mitarbeiter zu schaffen und damit Effizienz zu erhöhen. Aber alleine die Fakten zu schaffen, reicht nicht aus. Wenn niemand um die Maßnahmen und die Marschrichtung weiß, stellen sich Erfolge eher spät oder gar nicht ein. So wird Storytelling in diesem Zusammenhang immer wichtiger. Dass die Firmen die richtigen Entscheidungen treffen ist das Eine, aber vor allem die passende Story dahinter, wird den Erfolg der Strategie und ihrer Maßnahmen ausmachen. Ganz besonders im War for Talents.

Corona als Brennglas

Immer wieder wird über die Vorteile und Nachteile diskutiert, die die Pandemie gebracht hat. Was ändert das? Ich finde es eher spannend nicht auf das WAS, sondern einmal auf das WIE zu schauen.

Corona ist grausam in vielerlei Hinsicht über uns hereingebrochen, hat viele Menschen das Leben und viele Unternehmen den Kragen gekostet. Und wir sind noch nicht am Ende. Unerbittlich hat die Krise zugeschlagen – manchmal mega negativ aber manchmal auch extrem positiv. Wo sich Behörden und Firmen vor Arbeit nicht retten konnten, wo Menschen füreinander da waren.

Meiner Meinung nach hat Corona die Geschwindigkeiten in unserem Leben stark beeinflußt. So perfekt ich es finde, dass die Digitale Transformation einen absoluten Geschwindigkeitsboost nach vorne bekommen hat, so unglaublich finde ich auch die Entdeckung der Langsamkeit in vielerlei Hinsicht. „Höher, weiter, schneller“ gibt es weiterhin aber es stellt sich stärker polarisiert dar.

Und dann wäre da noch die Klarheit. Covid 19 verlangte Klarheit und hat sie nicht nur eingefordert, sondern auch bekommen.

Das „Ich-kann-es-nicht-mehr-hören“-Thema: Home Office

Ein paar Zahlen dazu haben mich aktuell beeindruckt, so dass ich diese gerne weitergeben möchte. Es scheint so zu sein, dass es mindestens 10 % Produktivitätsverlust gibt, wenn jemand im Homeoffice arbeitet. Durchschnittlich kommt das sicher hin, wenn ich mir vorstelle, wie oft ich in den letzten Wochen Kinder durch Online-Konferenzen flitzen oder gestresste Kollegen von einem zum nächsten Zoom-Meeting digital hechten sah.

Auch interessant, dass im Schnitt nur 40 % aller Tätigkeiten eines Arbeitnehmers überhaupt im Homeoffice ausgeführt werden können. Daher ist Homeoffice auf Dauer allein keine Lösung. Es spricht alles dafür, dass es einen spannenden Mix geben könnte. Toll, wenn das Recht auf Homeoffice im Gesetz verankert wird, wenn Hubs zum Kommunikationsaustausch nicht mehr so weit weg sind und wir damit alle weniger reisen müssen. Unsere Umwelt freut sich kolossal.

Die dritte interessante Zahl kommt von LinkedIn. Sie besagt, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 130% mehr Zeit mit eLearning verbringen – seit Corona. Das hätte ich nicht gedacht. Aber wenn ich auf mich selbst schaue, ist das bei mir genau so. Ich habe die Zeit, die ich nicht zum Pendeln benötigt habe, in Spanischkurse und fachliche Weiterbildung investiert. Und das fühlt sich gut an.

Das größtes Experiment zu Leadership und Digitaler Transformation

Obwohl Experiment wahrscheinlich das falsche Wort ist. Bei einem Experiment plant man vorher, oder? Corona hat uns einfach überrumpelt und wir hatten plötzlich keine andere Chance als einige Dinge auszuprobieren. Neben den sämtlichen technischen Themen rund um Bandbreite und digitale Tools, vergessen wir oft, wie viel sich auch in unserer Führung und Kommunikation von heute auf morgen geändert hat.

Sprüche wie: „Work hard, play hard“ scheinen aus einem anderen Jahrhundert zu stammen und das Thema Purpose, die Sinnsuche, wurde voll katalysiert. Das bedeutet ganz klar in der Konsequenz auch Transformationale Führung. Und das ist gefühlt ganz neu.

Dabei ist Transformationale Führung, empirisch gesehen, die erfolgreichste Art der Führung – ever. Man kann sich das kaum vorstellen, da man das Gefühl hat, unter Corona zum ersten mal in dieser Weise zu führen, oder? Ob digital, mobil oder face-to face: Authentisch muss die Führungskraft sein. Sie muss super klar kommunizieren, viel kommunizieren, wandelbar sein und schnell. Womit wir wieder beim Thema Wandel wären – eines meinere großen Lieblingsthemen..

Ich persönlich glaube: Alles wird viel einfacher sein, wenn wir zumindest wieder einen Teil unserer Zeit im Büro verbringen. Daher kann das Büro gar nicht sterben. Wir benötigen den Austausch mit unseren Kollegen, sei es in einem zukünftigen Hub oder im Headquarter. Alleine digital zu kommunizieren wird uns auf Dauer nicht reichen. Dass ich das als Digitalgewächs jemals sagen würde…aber es verändert sich viel…täglich…schnell. Wie werden alle weiterhin jonglieren müssen – und dies hoffentlich mit einem Lächeln im Gesicht.

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